Förderung Weinbau - Distrikt 111 - Süd Mitte
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Weinbau, Streuobstwiesen und Biodiversität


ein Herzensthema im Remstal erhält breite Unterstützung
Jeder, der mit offenen Augen das Remstal betrachtet, sieht die Veränderungen in unserer Kulturlandschaft. In den Weinbergen sind immer mehr unbewirtschaftete Flächen und auch viele Streuobstwiesen werden nicht mehr gepflegt. Das bewegt nicht nur die Politik, das beschäftigt die Menschen im Remstal in hohem Maße. Sinkende Erzeugerpreise, demografischer Wandel und veränderte Konsumgewohnheiten führen dazu, dass immer mehr Rebflächen und Streuobstwiesen brachliegen. Diese führt nicht nur zu einem Verlust der regionalen Identität und des landschaftlichen Charakters, sondern birgt auch erhebliche ökologische Risiken.
Deshalb gibt es inzwischen vorbildliche Impulse aus der Bürgerschaft, die sich diesem für das Remstal bedeutende Herzensthema annehmen. Jetzt trafen sich auf Einladung des Lions Club Remstal insgesamt neun Organisationen und zahlreiche Weingüter mit dem Ziel, die Kräfte zu bündeln und Synergien zu nutzen.
Angelika Reiner und Simon Hayler begrüßten für den Lions Club Remstal Oberbürgermeister Michael Scharmann für die Stadt Weinstadt und die Bürgerstiftung Weinstadt, Johannes Schwegler von der neu gegründeten Zukunftsstiftung Remstal, für die VfB-Stiftung den VfB-Vorstandsvorsitzenden Alexander Wehrle, Matthias Stolzenburg für die Klimaschutzstiftung Baden-Württemberg, Jakob Hörl, Projektleiter des Zentrums ökologischen Landbau der Universität Hohenheim, Dr. Manfred Siglinger und Jürgen Frank vom Klimabündnis Weinstadt sowie Werner Bader, Geschäftsführer des Remstal-Tourismus e.V. sowie weiterer Lions-Clubs aus dem Rems-Murr-Kreis. Einen ganz besonderen Dank gilt unseren Weingütern, die sich diesen großen Herausforderungen mit großem Einsatz stellen.
Der Lions Club Remstal hat bereits zwei Mal in der Endersbacher Jahnhalle die Veranstaltung „Ein guter Tropfen“ durchgeführt, bei dem sich regionale Weingüter präsentieren und der Lions Club Remstal lokale Projekte unterstützt. Simon Hayler erläuterte, dass der Lions Club Remstal 2027 diese Veranstaltung gezielt dafür durchführen will, um die Bürgerstiftung Weinstadt für innovative Pilotprojekte für unsere Kulturlandschaft im Remstal zu unterstützen. Zusätzlich ist das Ziel, insgesamt 500 Bäume für das Vitiforst-Projekt zu fördern.
Oberbürgermeister Michael Scharmann unterstrich die Auswirkungen des tiefgreifenden Strukturwandels. In den vergangenen Monaten haben zehn Weinbaukommunen mit Unterstützung des Landkreises das integrierte Ländliche Entwicklungskonzept (ILEK) „Zukunft des Weinbaus im Rems-Murr-Kreis“ erarbeitet. Neben der Förderung durch das Land ist für ihn aber gerade das bürgerschaftliche Engagement sehr wichtig. Michael Scharmann: „Es ist großartig, wie wir im Remstal den Strukturwandel als Chance begreifen. Herzlichen Dank für das großartige Engagement der vielen Mitwirkenden.“
Johannes Schwegler, Geschäftsführer der Zukunftsstiftung Remstal, erläuterte fünf zentrale Punkte. Der Strukturwandel ist massiv und erfordert aktives Handeln. Staatliche Unterstützung ersetzt nicht das bürgerschaftliche Engagement. Johannes Schwegler weiter: „Wir müssen die Krise als Chance begreifen. Erstmals seit 300 Jahren gibt es wieder freie Flächen im Remstal, die für innovative Konzepte genutzt werden können.“ Neben neuen Pflanzungen sieht er auch das Thema Robotik in der Landwirtschaft. Geplant ist dazu ein Reallabor mit dem Cyber Valley Tübingen. Und zuletzt braucht es die gemeinsame Zusammenarbeit, weshalb er sich sehr über diese Veranstaltung freut. Die Zukunftsstiftung Remstal hat inzwischen die ersten Flächen übernommen, um künftig mit innovativen Konzepten die Bewirtschaftung zu übernehmen.
Vor Ort informierten sich die Gäste über zwei konkrete Projekte. In Gundelsbach präsentierten Christoph Klopfer (Weingut Klopfer), Jürgen Frank vom Klimabündnis Weinstadt und Jakob Hörl von der Uni Hohenheim das Modellprojekt Vitiforst. Dabei wurden auf einer größeren Rebfläche fünf Schneisen gebildet, die mit verschiedenen Bäumen bepflanzt wurden. Damit werden verschiedene Effekte erwartet: Unter anderem eine Reduzierung der Temperaturen, einen besseren Schutz vor Schädlingen wie etwa die Kirschessigfliege durch mehr Fledermäuse und eine bessere Wasserspeicherung im Weinberg.
Das zweite Projekt startet nahe des Strümpfelbacher Naturfreundehauses. Hier stellt die Stadt Weinstadt 3 ha Fläche zur Verfügung, um ein Modellprojekt Streuobstwiese der Zukunft zu ermöglichen, das von der VfB-Stiftung und der Klimaschutzstiftung Baden-Württemberg unterstützt wird. Alexander Wehrle informierte, dass der VfB Stuttgart 2023 die VfB-Stiftung gegründet hat, um nachhaltige regionale Projekte zu fördern. Dazu dient auch der Umweltgroschen, der aus einem Teil der Eintrittskarten gespeist wird. Matthias Stolzenburg von der Klimaschutzstiftung Baden-Württemberg erläuterte zusammen mit Dr. Manfred Siglinger vom Klimabündnis Weinstadt die Potentiale der Biodiversität mit diesem Projekt. Insgesamt sollen 25-30 verschiedene Sträucher und Bäume gepflanzt werden. Vorgesehen sind also nicht nur Apfel-, Birnen- und Zwetschgenbäume, sondern weitere Sorten wie Nussbäume, Eberesche, Weiden, Maul- und Elsbeere und viele andere. Damit wird die biologische Vielfalt gestärkt und es entsteht weniger Unterhaltungsaufwand. Mit hangparallelen Mulden wird für eine bessere Wasserversorgung möglich.
Die beiden Projekte sind hervorragende Beispiele, dem Strukturwandel innovative Impulse entgegenzusetzen. Dabei hilft die Bündelung der Kräfte der beteiligten Organisationen, unsere Kulturlandschaft im Remstal aktiv zu gestalten. Ein Herzensthema des Remstals wird durch das faszinierende bürgerschaftliche Engagement fit für die Zukunft gemacht.
Zum Lions Club Remstal: Der Lions Club Remstal wurde 1981 gegründet und zählt heute über 40 Mitglieder. Er setzt sich für Bildung, Gemeinwohl, Kultur und internationale Verständigung ein – stets im Sinne seines globalen Mottos: „We serve.“